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Krypto-Regulierung in Österreich: Was Sie wissen müssen

5. Oktober 2025 Mag. Julia Schmidt 6 Min. Lesezeit

Die rechtliche Landschaft rund um Kryptowährungen in Österreich ist komplex, aber verständlich. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Regelungen, Steuerpflichten und rechtlichen Rahmenbedingungen für Krypto-Investoren in Österreich.

Der rechtliche Status von Kryptowährungen

In Österreich werden Kryptowährungen rechtlich als immaterielle Wirtschaftsgüter eingestuft. Sie sind weder gesetzliche Zahlungsmittel noch Fremdwährungen, sondern eine eigenständige Vermögensklasse mit spezifischen steuerlichen und regulatorischen Behandlungen.

Finanzmarktaufsicht (FMA)

Die österreichische Finanzmarktaufsicht reguliert Krypto-Dienstleister und stellt sicher, dass diese die erforderlichen Lizenzen besitzen. Krypto-Börsen müssen:

  • Eine Gewerbeberechtigung besitzen
  • Anti-Geldwäsche-Richtlinien einhalten
  • Know-Your-Customer (KYC) Verfahren implementieren
  • Regelmäßige Prüfungen durchführen lassen

Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen

Das österreichische Steuerrecht behandelt Kryptowährungen seit dem 1. März 2022 als neue Einkunftsart. Hier sind die wichtigsten Punkte:

Besteuerung von Krypto-Gewinnen

Seit der Steuerreform 2022 gelten folgende Regelungen:

Spekulationsfrist entfallen

Die frühere einjährige Spekulationsfrist existiert nicht mehr. Alle Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen sind steuerpflichtig, unabhängig von der Haltedauer.

Steuersatz

Krypto-Gewinne unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5% (Kapitalertragsteuer). Dieser Satz gilt für:

  • Verkauf von Kryptowährungen gegen Fiat-Währungen
  • Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere
  • Verwendung von Krypto für Waren oder Dienstleistungen

Berechnung der Gewinne

Der steuerpflichtige Gewinn errechnet sich aus:

Verkaufspreis - Anschaffungskosten = Gewinn/Verlust

Verlustverrechnung

Verluste aus Kryptowährungen können mit Gewinnen aus Kryptowährungen verrechnet werden. Wichtige Punkte:

  • Verluste können bis zu drei Jahre vorgetragen werden
  • Keine Verrechnung mit anderen Einkunftsarten möglich
  • Dokumentation aller Transaktionen ist wichtig

Spezielle Szenarien und ihre Behandlung

Mining

Mining-Einkünfte werden als sonstige Einkünfte behandelt:

  • Gewerblich: Bei professionellem Mining mit entsprechender Infrastruktur
  • Privat: Hobby-Mining unterliegt der Einkommensteuer
  • Betriebsausgaben (Strom, Hardware) sind abzugsfähig

Staking

Erträge aus Staking werden zum Zeitpunkt des Zuflusses als Einkommen behandelt:

  • Besteuerung mit 27,5% Kapitalertragsteuer
  • Anschaffungskosten = Wert zum Zeitpunkt des Erhalts
  • Späterer Verkauf: Differenz zwischen Verkaufspreis und Anschaffungskosten wird besteuert

Lending und DeFi

Zinsen aus Krypto-Lending werden als Kapitaleinkünfte behandelt:

  • Besteuerung zum Zeitpunkt des Zuflusses
  • 27,5% Steuersatz
  • Dokumentation der Transaktionen erforderlich

Airdrops und Forks

Kostenlose Token aus Airdrops oder Forks:

  • Kein steuerpflichtiges Ereignis beim Erhalt
  • Anschaffungskosten = 0€
  • Beim Verkauf: Gesamterlös ist steuerpflichtig

Meldepflichten und Dokumentation

Steuererklärung

Krypto-Gewinne müssen in der Steuererklärung angegeben werden:

  • Formular E1kv für Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • Detaillierte Aufstellung aller Transaktionen
  • Nachweise über Anschaffungs- und Veräußerungspreise

Aufbewahrungspflicht

Alle relevanten Unterlagen müssen 7 Jahre aufbewahrt werden:

  • Transaktionshistorie
  • Wallet-Adressen
  • Kaufbelege und Rechnungen
  • Screenshots von Börsen-Accounts

MiCA-Verordnung und EU-Regulierung

Die Markets in Crypto-Assets (MiCA) Verordnung der EU bringt ab 2025 umfassende Regelungen:

Hauptziele von MiCA

  • Einheitlicher Regulierungsrahmen in der EU
  • Verbraucherschutz verbessern
  • Marktintegrität sicherstellen
  • Finanzstabilität gewährleisten

Auswirkungen für Nutzer

  • Mehr Transparenz bei Krypto-Diensten
  • Stärkere Rechte bei Betrug oder Missmanagement
  • Einheitliche Standards für Börsen
  • Klarere Produktinformationen

Anti-Geldwäsche (AML) Vorschriften

Österreichische Krypto-Dienstleister müssen strenge AML-Richtlinien befolgen:

KYC-Anforderungen

  • Identitätsnachweis erforderlich
  • Adressnachweis notwendig
  • Überprüfung der Herkunft größerer Beträge
  • Laufende Überwachung von Transaktionen

Meldepflichten für Börsen

Verdächtige Transaktionen müssen gemeldet werden:

  • Ungewöhnlich große Transaktionen
  • Muster, die auf Geldwäsche hindeuten
  • Transaktionen mit sanktionierten Ländern oder Personen

Rechtliche Risiken und Compliance

Steuerhinterziehung

Nicht gemeldete Krypto-Gewinne können zu ernsthaften Konsequenzen führen:

  • Nachzahlung der Steuern plus Zinsen
  • Strafzuschläge bis zu 200% der Steuerschuld
  • Strafrechtliche Verfolgung bei vorsätzlicher Hinterziehung

Automatischer Informationsaustausch

Ab 2026 tritt der automatische Austausch von Krypto-Informationen zwischen EU-Ländern in Kraft. Verstecken wird praktisch unmöglich.

Best Practices für Compliance

Dokumentation

  • Nutzen Sie Portfolio-Tracking-Tools (CoinTracking, CryptoTax)
  • Exportieren Sie regelmäßig Ihre Transaktionshistorie
  • Machen Sie Screenshots wichtiger Transaktionen
  • Bewahren Sie alle E-Mails und Belege auf

Steuerliche Planung

  • Führen Sie ein separates Krypto-Steuerkonto
  • Setzen Sie ca. 30% Ihrer Gewinne für Steuern zurück
  • Konsultieren Sie einen auf Krypto spezialisierten Steuerberater
  • Machen Sie vierteljährliche Vorauszahlungen bei großen Gewinnen

Spezielle Regelungen für Unternehmen

Unternehmen, die mit Kryptowährungen handeln, müssen zusätzliche Anforderungen erfüllen:

  • Gewerbeberechtigung für Krypto-Handel
  • Bilanzierung nach UGB oder IFRS
  • Bewertung von Krypto-Assets zum Bilanzstichtag
  • Besondere Dokumentationspflichten

Zukünftige Entwicklungen

Die Regulierung entwickelt sich ständig weiter. Erwartete Änderungen:

  • Klarere Regelungen für DeFi und NFTs
  • Möglicherweise Freibeträge für kleinere Anleger
  • Strengere Anforderungen an Stablecoins
  • Integration von Krypto in traditionelle Finanzinfrastruktur

Fazit

Die Krypto-Regulierung in Österreich ist klar strukturiert und bietet Rechtssicherheit für Anleger. Wichtigste Punkte:

  • 27,5% Steuersatz auf alle Krypto-Gewinne
  • Keine Spekulationsfrist mehr
  • Dokumentationspflicht für 7 Jahre
  • KYC/AML-Compliance bei allen lizenzierten Börsen
  • MiCA-Verordnung bringt EU-weite Standards

Bei Dehusprefa sind wir vollständig konform mit allen österreichischen und EU-Vorschriften. Wir helfen Ihnen gerne bei Fragen zur steuerlichen Behandlung Ihrer Krypto-Investments.

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Konsultieren Sie bei spezifischen Fragen immer einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

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